Newsletter 07/2017 vom 20.11.2017

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

hiermit möchten wir an die Mitglieder-Versammlung im Dezember erinnern und auf andere wichtige Termine aufmerksam machen. Lassen Sie mich zunächst aber auf die Verleihung des Goldenen Bandes am 15.11. zurückschauen, mit der ich persönlich sehr zufrieden bin. Wir baten unseren zweiten Stipendiaten, Matthis Nothacker, um seine Eindrücke. Hier sind sie:

 

"Mach weiter so"

Zur Verleihung des „Goldenen Bandes“ in Berlin

"In Ordnung ist sie nicht – die Welt des Sports. Sie ist es nicht und sie war es nicht". Als André Keil, Vizepräsident des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, zur Laudatio auf die diesjährige Gewinnerin des "Goldenen Bandes" ansetzte, war gewiss, dass es sich um keine Frau handeln würde, die sich in den schönen Ecken des Sportgeschehens bewegt. Keil zeigte auf, wie der DDR-Sport in vier Jahrzehnten zu politischen Zwecken massiv missbraucht wurde, wie die Bundesrepublik Deutschland ihrem Kontrahenten dabei in vielerlei Hinsicht nicht nachgestanden habe: "Eine geduldete und gedeckte Dopingkultur ist längst nachgewiesen".

 

Trotz der Beweise, trotz aller Prozesse und Fakten, "an sich eine Handlungsanleitung, was im Sport nie passieren darf", habe sich wenig getan. "Bis heute wird auf die Planbarkeit von Medaillenerfolgen geschielt und die Architekten eines nachgewiesenen Missbrauchssystems sind dabei immer noch gefragt und salonfähig". Es gebe wenige Menschen, die sich mit ihrer ganzen Kraft dafür einsetzen, dass Missbrauch auch im Sport keinen Platz haben darf. "Doch Ines Geipel gehört zu diesen Menschen". Ines Geipel ist eine Vorkämpferin gegen den Dopingmissbrauch und für die Unterstützung von Doping-Opfern. Opfer, zu denen sie selbst gehört, als Leistungssprinterin in der DDR während den 70er und 80er Jahren, als Mitglied der Weltrekord-Staffel beim SC Motor Jena. Opfer eines Systems der Wachstumshormone, der Schmerzmittel, des Testosterons und der anabolen Steroide. Geipel ist Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfevereins, kämpft für eine Rente für Doping-Geschädigte und setzte mit anderen im vergangenen Jahr das zweite Doping-Opferhilfegesetz durch. All dies, so Keil, "mit einer unglaublichen Anstrengung, die sie selbst oft an den Rand ihrer Kraft brachte".

 

Als Ines Geipel die Bühne betrat und die Auszeichnung von Hanns Ostermann, Vorsitzender des Verbandes der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg, entgegennahm, war es der Höhepunkt der traditionsreichen Veranstaltung, die von rbb-Sportmoderator Andreas Ulrich moderiert wurde. Eine Veranstaltung, die sich in einer oft glitzernden, von Banalitäten geprägten Sportwelt vorrangig den sozialen und politischen Aspekten des Sports gewidmet hatte. Andreas Geisel, Berliner Senator für Inneres und Sport in Berlin, erklärte das "Goldene Band" zum „Symbol für die öffentliche Würdigung für das Engagement von Sportlern“, …"ich bin davon überzeugt, dass der Preis den Menschen einen Schub gegeben hat". Zudem betonte er die Wichtigkeit des Breitensports in der Gesellschaft, gerade im Zuge der Flüchtlingsbewegung der vergangenen Jahre. "Sport ist sehr wichtig für die Integration, Sport verbindet Menschen, und was die Berliner Vereine hier geleistet haben, ist ein Applaus wert", sagte er. Zudem fördere der Sport Werte wie Fleiß, Disziplin, Umgang mit Niederlagen und Leistungsbereitschaft.

 

In einer Podiumsdiskussion sprach Buchautor und Journalist Ronny Blaschke mit Johannes Axster, Mitbegründer des weltweiten Netzwerkes Streetfootballworld und Stefan Wagner, Vorstand der HSV-Stiftung "der Hamburger Weg". Streetfootballworld fördert soziale Projekte - zur Aufklärung über Landminen in Kambodscha oder Hilfe bei der Gewaltprävention in Kolumbien - und verknüpft sie mit dem Fußball. "Es ist etwas anderes, ob man in einem Township in einer Cityhall steht und dort versucht, ins Gespräch zu kommen oder zum Fußballspielen einlädt", sagte Axter. Um die Mittel für die Projekte bereitzustellen, will Streetfootballworld Profifußballer zur Spende von ein Prozent ihres Gehaltes überzeugen. Nach Meinung von Stefan Wagner ist soziales Engagement von Fußballern immer glaubwürdig, solange sie authentisch bleiben: "Man merkt schnell, ob es aufgesetzt ist oder einen wirklichen Hintergrund gibt“. Grundsätzlich müsse der soziale Aspekt im Fußball eine große Rolle einnehmen, "sonst geht irgendwann das verloren, was Sport eigentlich ausmacht". Genau diese Gefahr liegt auch im Dopingmissbrauch. "Wir bedienen uns der Erfolge und schauen zum Schluss nicht, was dabei herauskommt", sagte Geipel. Dabei appellierte sie nicht nur an Sport und Politik, die lange abgewehrt hätten, sondern auch an die Journalisten selbst. "Ich bedanke mich bei denen, die sich mit der Nachgeschichte des Sports auseinandersetzen“, sagte sie. "Aber von 340 Journalisten hat es bisher nur einer in unser Büro geschafft".

 

Geipel wurde für ihre Arbeit schon angeschrieen, angespuckt und zusammengeschlagen. Berührt erzählte sie von den Augenblicken, in denen sie merkt, dass sie trotzdem noch Menschen erreicht. "Sie kommen zu mir und sagen: 'Vor ein paar Jahren habe ich anders gedacht, aber – mach weiter so'“.

M.N.

 

 

Zur Mitglieder-Versammlung am 07. Dezember um 10:30 Uhr im Haus des Berliner Fußballverbandes

Die Tagesordnung hatten wir Ihnen mit dem letzten Newsletter vom 20.10.2017 zukommen lassen.

 

 

Zu unseren nächsten Veranstaltungen

Die traditionelle Weihnachtsfeier soll (falls sich genügend TeilnehmerInnen finden) am 14.12. um 15:30 Uhr wie üblich in den Stadionterrassen (Jesse-Owens-Allee) stattfinden. Anmeldungen bitte bei Anneliese Weidner unter (030) 817 80 48.

 

Das diesjährige VDS-Skatturnier findet (falls sich mindestens 15 TeilnehmerInnen finden) wieder im Sportcasino des SC Siemensstadt, Buolstr. 14, 13629 Berlin, statt, allerdings diesmal in der "Basteistube". Termin: Dienstag, 19.12. ab 10.00 Uhr!

Anmeldungen bitte bei Stefan Frase unter 0171-5655369 oder stefan.frase@rbb-online.de

 

Unser traditionelles Fußballturnier findet am 18.01. zum siebenten Mal in der MBS Arena in Oranienburg statt. Sie befindet sich unmittelbar neben der Turm-Erlebniscity in der André-Pican-Straße 42. Unser Schatzmeister Lutz Grotehusmann hat die Redaktionen angeschrieben. Ganz sicher freuen sich die Teams über Zuschauer und Unterstützung.

 

Eine gute Zeit wünscht im Namen des Vorstandes

Hanns Ostermann