
Den Sieg über das Team der Elfenbeinküste bei der Weltmeisterschaft bekam der Fußball-Fan Wolfgang Schilhaneck nicht mehr mit. Nur Stunden vor Beginn der Partie schloss „Schille“ im Veteranen-Stift neben der Eisschnelllaufbahn Neukölln für immer die Augen. Mit Wolfgang Schihaneck verlässt ein weiterer engagierter Sportjournalist unsere Gemeinschaft. Am 27. Juli wäre er 97 Jahre alt geworden. Unsere Kollegin Regina Hoffmann-Schon begleitete Wolfgang Schilhaneck bis zu seinen letzten Atemzügen. "Schille hat in den letzten Wochen schwer gelitten. Ihm wurde eine neue Kniescheibe eingesetzt und die verursachte durch eine Sepsis schwere Schmerzen. Zuletzt wollte Wolfgang nicht einmal mehr Fußball im Fernsehen verfolgen." Das sagt alles. Über den Fußball fand der Abiturient zum Sportjournalismus. Praktische Erfahrung sammelte Schille dabei als Torwart bei Empor Hohenschönhausen. Er versuchte, seine Kiste auf jenem Stoppelrasen sauber zu halten, wo nunmehr seit 62 Jahren die Eisschnellläufer erst unter freiem Himmel und seit 1987 unterm Dach um Bestzeiten jagen.
Ich erzähle die Geschichte, weil der Fußball-Fan Schilhaneck als Sportchef des "Bauern-Echo" durchaus auch ein Herz für andere Sportarten hatte. Erlebt habe ich das auch bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau. Als Dietmar Lorenz im Lushniki-Sportpalast in der offenen Judo-Kategorie die Goldmedaille erkämpfte, konnte ich gar nicht so schnell gucken, wie Schille in der Interviewzone verschwunden war. Beim Kwas im Journalisten-Hotel erzählte mir Wolfgang später: "Die Olympischen Spiele sind bisher das größte Erlebnis für mich als Sportjournalist. Trotzdem freue ich mich wieder auf meine Bezirksliga, die ich als Verantwortlicher betreue" schilderte mir Schille seine Gefühle. Die Bezirksliga aber war wohl nur die halbe Wahrheit. Kurz vor den Moskauer Spielen hatte Wolfgang Ilona kennen gelernt."„Eine Traumfrau", schwärmte er später. Mit der Traumfrau Ilona war „Schille“ fast 46 Jahre verheiratet. Schon wegen des Gedenkens an ihren fast ein Jahrzehnt lang blinden Mann wird Frau Schillhaneck (91) weiter in der gemeinsamen Stift-Wohnung bleiben, die ihr vor elf Jahren Tochter Monika Andres vermittelt hat. Zu diesem Schritt hat auch Schilles-Sohn Jürgen (67) geraten. Über ein solch familiäres Einvernehmen wird sich bestimmt auch Wolfgang freuen, wenn er vom Himmel auf seine Familie schauen kann.
Text: Manfred Hönel
